Arbeit und Beruf - Einleitung

Arbeit, Berufsleben, Schule, Ausbildung und Freizeit sind miteinander verknüpfte Lebensbereiche, die das Individuum und seinen sozialen Kontext, Partnerschaft, Familie, Freunde usw. betreffen.

Arbeit und Beruf sind nicht dasselbe. Dass das Recht auf Arbeit in vielen Kontexten postuliert wird, zeigt, dass es dabei um eine allgemeinere Kategorie als das Berufsleben geht. Im deutschen Wort Arbeit kann sowohl die Ableitung aus alten Bedeutungen für Mühsal wie auch aus dem Lateinischen in der Bedeutung des Bebauens von Ackerland angenommen werden. Das französische travail enthält ebenso die Bedeutung des Leidens und der Erschöpfung.

In beiden Sprachen bedeutet der Begriff heute ganz umfassend die menschlichen Tätigkeiten, die dazu dienen, etwas zu produzieren oder zu schaffen, einem inneren Bedürfnis des Menschen entsprechend und einer Nützlichkeit zustrebend.

Davon abtrennen kann man den Beruf, dessen französische Bezeichnung „profession“ sich vom Lateinischen als Bekenntnis zu einer Sache ableiten lässt, im Deutschen als eine Tätigkeit, der man zuneigt, zu der man sich berufen fühlt. In der Weiterentwicklung wird man heute in beiden Sprachen den Begriff als die Tätigkeit definieren, aus der man seine Mittel zum alltäglichen Lebensunterhalt bezieht.

Gleichzeitig definiert sich aber ein Beruf in der Regel als eine Tätigkeit, für die man eine bestimmte Ausbildung absolviert, d. h. die Arbeit, die dabei erbracht wird, setzt eine bestimmte Qualifikation voraus. Aber auch ohne eine solche Ausbildung kann man nützliche Arbeit erbringen, die zum Lebensunterhalt oder zur Verbesserung der Lebensbedingungen der betroffenen Menschen führt.

Als Beruf wird also gemeinhin der Lebensbereich bezeichnet, der dem Broterwerb dient. Dabei kann man den Beruf auch als Gegensatz zur Freizeit sehen, wenigstens als eine definierte Zeit und meistens die größte Zeit des Tages der berufstätigen Menschen, die von vorgegebenen Aufgaben bestimmt ist, über die man also nicht frei verfügen kann.

Beruf, Freizeit und Familie waren in unserer Geschichte nicht immer in dem Maße getrennt, wie es heute zumeist ist oder wenigstens scheint. Denn es ist das gesellschaftliche und familiäre Leben mit dem Beruflichen meist eng verwoben. Ich kann die einzelnen Bereiche in Konkurrenz zueinander sehen. Ich muss gewichten, wie viel ich jedem Bereich zugestehe und es ist gut, wenn ich die Möglichkeit habe, im Lebensfeld Beruf auf Bedingungen zu achten, die das innere und äußere Gleichgewicht nicht zerstören. Dafür haben in unseren zentraleuropäischen Gegenden die Arbeitszeitregelungen, das Wirken von Betriebsräten, Gewerkschaften und anderem heute einen gewissen Rahmen gesteckt.

Es gibt aber auch viele Menschen, die Beruf, Arbeit und Freizeit als eng miteinander verwoben erleben. Wenn ich in einem mittelständischen Betrieb tätig bin, dann sind womöglich verschiedene Mitglieder meiner Familie in unterschiedlichen Funktionen dort tätig, wenn ich einen engen und guten Kontakt mit Arbeitskollegen habe, dann kann es sein, dass ich einen Teil meiner Freizeit mit ihnen verbringe.

Wenn wir also hier von Arbeitswelt sprechen, dann denken wir dies im wesentlichen synonym zur Berufswelt, nach einem pragmatischen Ansatz, um auch in diesem Bereich über die Prävention und Förderung seelischen Wohlbefindens nachzudenken.

Die Kategorie Arbeit hat über viele Jahrhunderte bei den Denkern nicht die Rolle gespielt, die ihr vielleicht mit Blick auf die Bedeutung für die Mehrzahl der auf der Erde lebenden Menschen zukam und zukommt. Ohne näher darauf einzugehen, ist es sicherlich schnell nachvollziehbar, dass das Thema der nützlichen Arbeit und Erwerbstätigkeit eben lange Zeit für die Menschen, die sich mit dem Leben und den Lebensbedingungen auseinandersetzten und die sich schriftlich dazu äußerten, eine geringere Bedeutung hatte.

Die schöpferisch, künstlerisch, philosophisch und theologisch Tätigen, die entsprechende Quellen hinterließen, hatten gesellschaftliche Positionen inne, die sich weniger mit den grundsätzlichen alltäglichen Existenzbedingungen, mit den materiellen Notwendigkeiten eines Existenzkampfes befassten.

Arbeit als Dienst für die Gemeinschaft konnte zwar einen religiösen Aspekt haben oder eine allgemein sittliche Pflicht sein, aber ökonomische und sozialwissenschaftliche Zusammenhänge kamen erst im 18. und 19. Jahrhundert in den Fokus, wobei wir im Rahmen unserer Zielsetzungen hier lediglich den Hinweis auf diese Zusammenhänge geben wollen, ohne Protagonisten oder Ideengebäude zu benennen.

Der Mensch als „homo faber“ ist aber nicht nur „animal laborans“, sondern die Arbeit ist a priori für jeden Menschen ein vielfältiges Netz von Kommunikationselementen und Handlungsoptionen, das in seiner Komplexität ebenso sehr Struktur und Halt geben kann, wie es Momente der Entgrenzung und des Scheiterns generieren kann. Gerade unter dem Aspekt, dass Arbeits- und Berufsleben wesentliche Zeitanteile des einzelnen Menschen beanspruchen, ja sogar den Großteil darstellen können, zeigt die Bedeutung, die dem Erhalt des seelischen Gleichgewichts in diesen Kontexten beizumessen ist.

Die lebendige Arbeitswelt jedes Einzelnen ist nach der Art der Tätigkeit und in Abhängigkeit von den Fertigkeiten, Bedürfnissen und Fähigkeiten jedes Menschen sehr unterschiedlich. Außerdem ist die Zeit, die jeder Einzelne zu seiner Erwerbsarbeit einsetzen muss oder soll in unseren westlichen Ländern in der Regel nach gesellschaftlich ausgehandelten Regeln begrenzt und für die meisten Menschen auch der Wert ihrer Arbeit, d.h. das Entgelt das sie erhalten, definiert.

Arbeitslosigkeit wird als Problem definiert, als Schwierigkeit gesehen, sowohl auf gesellschaftlicher wie auf individueller Ebene. In unserem Kontext wäre also zu beleuchten, was dieses Schicksal für das Individuum bedeuten kann, nämlich aus dem, was bisher genannt wurde, ausgegrenzt zu sein. Nicht umsonst wurde in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ein Recht auf Arbeit postuliert, wenngleich dies nicht das Recht auf einen Arbeitsplatz impliziert.

Stress und Burn-Out

Stress und burn-out

Viele Menschen sehen sich heute unter dem Einfluss von Stress, meinen damit den Leistungsdruck am Arbeitsplatz, Druck durch die Kollegen, den Chef und ähnliches, also äußere Belastungsfaktoren, die unangenehm sind. Sie meinen damit auch nicht den Druck oder die Belastung, die man aushalten kann oder durch die man zu Höchstleistung angespornt wird (Eu-Stress), sondern die Belastungen, die einen schädigen, die Anlass für soviel psychische Belastung (Dis-Stress) und dann auch Arbeitsunfähigkeit sind.   

Stress ist aber streng genommen eine psychophysische Reaktion, eine Anpassungsleistung von Körper und Seele bei vorherzusehenden oder auch schon eingetretenen Störungen. Andauernder psychosozialer Stress, d. h. also auch übermäßige Belastung im Rahmen des Berufs- und Arbeitsumfeldes, führt zu Veränderungen, die nicht nur psychologisch, sondern auch physiologisch messbar sind. Psychische Störungen können durch ein Gefühl der dauernden Überforderung, der Hilflosigkeit bei steigender Arbeitsdichte oder durch Angst vor Arbeitsplatzverlust begünstigt werden. Aufgrund der physiologisch messbaren Veränderungen, wie Ansteigen von Blutdruck oder Herzfrequenz und weiteren auch Hirnstrukturen betreffenden Funktionsstörungen, begründen auch eine Plausibilität für körperlich bedingte Erkrankungen, die als Folge chronischer Stressbelastung begriffen werden können. Und in diesem Zusammenhang gibt es auch einige Forscher, die heutzutage depressive Störungen quasi als Stresserkrankungen auffassen.

Von den Betroffenen selbst und auch in vielen Publikationen wird eher der Begriff burn-out benutzt, der keine medizinische oder wissenschaftliche Kategorie ist.

Oft beginnt die „Eigenbehandlung“ von Betroffenen mit ungeeigneten Mitteln, mit dem Griff zum Alkohol und dem unkontrollierten Griff zu Psychopharmaka, insbesondere zu Beruhigungsmitteln. Genau so wenig hilfreich ist es, wenn eine rein am Körpersymptom orientierte Behandlung erfolgt, weil dies meist zu kurz greift.

Gerade in Fällen von Stress und burn-out, die in eine Depression münden können, ist ein im eigentlichen Sinne psychosomatischer Behandlungsansatz der geeignete Weg. Ohne Berücksichtigung der psychophysiologischen Zusammenhänge wird man nicht weiterkommen.

Um mein inneres seelisches Gleichgewicht zu stabilisieren, um einem „burn-out“, das heute in aller Munde ist, zu entgehen, muss ich also wohl auf mein berufliches Umfeld achten, aber nicht nur. Als soziales Wesen stehe ich in komplexen Wechselbeziehungen und der Bereich Beruf und Arbeit ist ein Feld von mehreren. Um mich selbst zu schützen, um mir selbst Gutes zu tun, geht es nach unserer Auffassung nicht um eine spezifische berufs- oder arbeitsbezogene, sondern um allgemeine, aber individuelle, d. h. auf mich als Person bezogene Betrachtung gesundheitsfördernder Elemente. Welche Ressourcen kann ich für mich nutzen, ohne dass ich sie ausbeute, wie kann ich schonend damit umgehen? Welche Fähigkeiten, welche Potentiale habe ich, kann ich einbringen und nutzen, um mir und anderen Gutes zu tun.

Prävention

So muss auch jede Art von Vorbeugung psychosomatisch sein und den grundsätzlichen psychophysiologischen Kontext berücksichtigen.

Was kann ich für meinen Körper und für meine Seele tun, um im Gleichgewicht zu bleiben? Wir wollen hier ja insbesondere von den Möglichkeiten sprechen, die vermeiden helfen, dass es zum Burn-Out, zur depressiven Reaktion oder sonstigen Auslösung psychischer Folgeerscheinungen kommt.

Grundsätzlich muss man wissen, dass das Auftreten psychiatrischer Symptome, gar die manifeste Entwicklung einer psychischen Erkrankung nicht allein von den Umgebungsfaktoren, sondern immer auch von der jeweiligen Person inhärenten Faktoren bestimmt ist. Wir halten ein biopsychosoziales Störungsmodell für grundlegend. 

Was hat einen Einfluss auf psychische Störungen am Arbeitsplatz, können wir Ursachen identifizieren?

Die Gewerkschaften sehen z. B. den steigenden Druck in der Arbeitswelt als wichtiges Element dieser Entwicklung. Eindeutig belegen lässt sich das nicht, sicher ist aber, dass seelische Erkrankungen heute häufiger und besser diagnostiziert werden als früher.

Auch wenn wir bei den Krankenkassen nachfragen, glauben diese an einen starken Einfluss beruflicher Belastungen. Und man würde schnell zustimmen, wenn wir auf unsere heutige Arbeitswelt schauen, die von jedem Flexibilität und Mobilität erwartet, wenn durch den Einsatz moderner Kommunikationstechnologie, über die heute fast jeder verfügt, eben auch die Verfügbarkeit und Abrufbarkeit der Mitarbeiter in höherem Maße eingefordert wird. Dass chronischer Stress zu einer psychischen Krankheit führen kann, insbesondere auch zu Depressionen, scheint jedem plausibel, nachvollziehbar und einfühlbar.

Kränkung, Beschämung, Enttäuschung und Überlastung sind Situationen, die in uns allen Gefühlsabläufe hervorrufen können, die vielleicht in Ansätzen etwas von dem vermitteln, was auch den Weg in eine Depression begleitet.

Wenn wir uns mit einer Kränkung herumschlagen, können wir an uns selbst beobachten, dass Konzentration und Merkfähigkeit gestört sind. Außerdem können wir ansatzweise in der Selbstbetrachtung merken, wie gefühlsmäßige Veränderungen unsere kognitive Leistung beeinflussen.

Dabei sollen wir doch, wie man so sagt, „mental gut drauf sein“, um unsere Leistungen zu erbringen.

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